„Wir sind ein verlässlicher Dienstleister für Stadtwerke und Netzbetreiber“

Infrastrukturprojekte für Stadtwerke, Netzbetreiber und andere Dienstleister: Vor 20 Monaten gegründet, hat sich LPR Energy in der Branche viel Vertrauen erarbeitet. COO Holger Brehm und Geschäftsführer Stephan Busse erklären, wie das Unternehmen aufgestellt ist und welche Ziele es hat.

Heiner Schnitzler, Stephan Busse, Holger Brehm

LPR kommt aus der Logistik. Was hat das Unternehmen dazu bewegt, sich mit Dienstleistungen für die Energiebranche zu befassen?

Busse: Der Schritt mutet vielleicht untypisch an. Aber LPR war auch nie ein typischer Logistiker. Wir haben dort zwei Geschäftsbereiche: die Logistik und den Service. In Sachen Service sind wir schon lange mit 200 Technikern unterwegs, die vor Ort Aufträge für unsere Kunden erledigen. Das ist vom Ansatz her ähnlich wie das, was wir im Energiebereich tun.

Brehm: Der Einstieg in die Energiebranche kam trotzdem eher zufällig zustande, über einen Kontakt zu einem Solaranlagenbauer. Gemeinsam mit ihm haben wir 2014 erstmals an einer öffentlichen Ausschreibung teilgenommen und für einige Leistungen den Zuschlag erhalten. Es ging darum, Wechselrichter von Photovoltaik-Anlagen mit einer neuen Software auszustatten. Das war deutschlandweit nötig, damit die Stromnetze besser die Lasten abfedern können, die bei einem Überschuss an Wind- oder Solarstrom entstehen. Von mehreren zehntausend Anlagen haben wir rund 6.000 umgerüstet.

Das klingt nach einem Aha-Erlebnis. Denn der Umfang von 6.000 Umrüstungen ist ja für LPR an sich keine größere Herausforderung.

Brehm: Die Herausforderung bestand darin, in einem völlig neuen Umfeld und mit einem neuen Thema unterwegs zu sein. Dass wir klein gestartet sind, war deshalb im Rückblick genau richtig: Wir haben das Projekt sauber gemanagt und abgeschlossen. Das Feedback war sehr positiv. Einer unser Auftraggeber, in diesem Fall die Stadtwerke Nettetal, ermunterte uns, das Thema Marktraumumstellung anzugehen. Ebenfalls ein Feld, das wir bis dahin nicht kannten.

Marktraumumstellung? Welche Dienstleistungen verbergen sich hinter diesem sperrigen Begriff?

Busse: Im Westen und Norden Deutschland wird bisher niederkalorisches L-Gas an die Haushalte geliefert. Hauptlieferant sind die Niederlande. Aber die fahren, weil das Fördergebiet rund um Groningen stark von Erdbeben betroffen ist, ihre Förderung schrittweise zurück. Ab ca. 2030 ist ganz Schluss. Die betreffenden Gebiete werden dann mit H-Gas versorgt, das vornehmlich aus Russland und Norwegen kommt. Deshalb müssen rund 4 Millionen Haushalte und 5,5 Millionen Geräte umgerüstet oder neu eingestellt werden.

Brehm: Für uns wurde rasch deutlich, dass diese Anforderung in der Tat zu uns passt. Große Mengen an weitgehend seriellen Servicedienstleistungen zu erbringen und zu steuern, darin sind wir gut. Zudem gab es beim Start der Marktraumumstellung 2015 nur ein einziges Unternehmen, das personelle und fachliche Kapazitäten dafür hatte. Da aus Sicht der betroffenen Stadtwerke ab 2020/2021 mindestens 500 oder 600 Techniker gebraucht werden, die nichts anderes tun, haben wir entschieden, uns hier zu engagieren.

Wie sind Sie an das Projekt herangegangen?

Brehm: Vor allem mit Tempo. Zunächst haben wir im Frühjahr 2015 das dafür nötige Zertifizierungsverfahren gestartet, das war ein großer Invest, zeitlich und finanziell. Im Juni haben wir unseren ersten Fachmann eingestellt, im Oktober das Zertifikat erhalten. Danach haben wir an Ausschreibungen teilgenommen und im Dezember 2015 den ersten Zuschlag erhalten. Es ging um die Qualitätssicherung für zweimal 800 Umstellungen in Rees. Auch hier sind wir klein gestartet und haben durch eine optimale Abwicklung dafür gesorgt, dass auch große Netzbetreiber erkennen: Denen kann man vertrauen. Denn natürlich gab es zu Beginn auch Skepsis uns gegenüber, da wir ja branchenfremd waren.

Busse: Danach haben wir rasch Zuschläge für deutlich größere Marktraumumstellungs-Aufträge erhalten. Aktuell zählen wir schon zu den größten Dienstleistern in diesem Bereich. Derzeit realisieren wir 26 Projekte mit insgesamt mehr als 250.000 Einzelaktivitäten, die über 5 bis 8 Jahre laufen. Das letzte endet voraussichtlich 2028. Jetzt, in 2018, starten wir bei der Gasumstellung über die Qualitätssicherung hinaus auch mit den Leistungen für technisches Projektmanagement und für Erhebungs- und Anpassungsmaßnahmen vor Ort in den Haushalten.

Wie haben Sie das Unternehmen aufgestellt, um diese Projekte effizient umzusetzen?

Busse: Als deutlich wurde, dass die Service-Kompetenz der LPR ein tolles Ticket für die neue Branche darstellt, haben wir im Juni 2016 LPR Energy als eigene GmbH und Tochtermarke ausgegründet. Um die Gas-Marktraumumstellung zu stemmen, aber ganz klar auch schon mit Blick auf künftige weitere Geschäftsfelder und Großprojekte, akquirieren und qualifizieren wir derzeit sehr konzentriert zusätzliches Personal.

Brehm: Ein großer Vorteil im Vergleich zu anderen Dienstleistern ist es, dass wir die neuen Mitarbeiter im eigenen Haus schulen. So können wir individuell steuern, was in welcher Intensität nötig ist: Mitarbeiter mit Facherfahrung brauchen weniger Ausbildung als technisch vorgebildete Neueinsteiger aus anderen Branchen, etwa aus dem Sanitärhandwerk. Da so etwas nicht vorhanden war, haben wir für die Gas-Marktraumumstellung selbst einen Ausbildungsplan entwickelt. Für unsere internen und auch externen Qualifizierungen nutzen wir künftig hier in Neuss neue Räumlichkeiten, der entsprechende Umbau ist im Gange. Neue Mitarbeiter werden zusätzlich auch praktisch im Feld ausgebildet, indem sie zu Beginn gemeinsam mit erfahrenen Kräften unterwegs sind.

Das alles deutet darauf hin, dass Sie im Energiebereich etliche weitere Potenziale für LPR Energy sehen.

Busse: Nicht nur wir haben den Eindruck, dass sich die Branche aktuell in einem starken Umbruch befindet, der andauern wird. Klimawandel, intelligente Technologien, regenerative Energien, Mobilitätsmanagement, Dekarbonisierung – das sind wichtige Stichworte dafür. Es ist spannend, es ist viel in Bewegung und wir wollen vorne mit dabei sein. Auch wenn heute noch vieles offen ist, gibt es einige konkrete Felder, die wir für ein künftiges Engagement im Blick haben. Dabei sprechen wir über Projekte, die in den Planungen von Stadtwerken und Netzbetreibern bereits eine reale Rolle spielen. Gleichzeitig ist es in der Energie-Branche so, und das kannten wir bei LPR bisher kaum, dass man die Projekte mit längeren Fristen im Voraus planen kann.

Kann man das schon konkret umreißen – und auch die Rolle, die Sie sich für LPR Energy dabei vorstellen können?

Brehm: Smart Metering ist ein solches Thema. Die Europäische Union hat die Bundesregierung aufgefordert, endlich intelligente Zähler in die Haushalte zu bringen. Dabei sprechen wir in einem ersten Schritt über den Austausch von rund 40 Millionen Stromzählern, später über 20 Millionen Gas- und ebenfalls rund 40 Millionen Wasserzähler. Wir rechnen damit, dass der Austausch etwa 2020 in großem Stil losegehen wird. Derzeit gibt es deutschlandweit keinen Technikerpool, der das mal eben stemmen könnte. Mit unserer aktuellen Personalakquise und den Ausbildungskapazitäten stellen wir uns gezielt so auf, dass wir vom Start weg dabei sein können.

Busse: Ein weiteres Feld sind Tauglichkeitsprüfungen: Die Stadtwerke und Netzbetreiber kontrollieren regelmäßig, ob die Strom-, Gas- und Wasseranschlüsse in den Haushalten in Ordnung sind. Diese Hausanschluss-Checks werden zunehmend für externe Dienstleister ausgeschrieben. Wir haben jetzt schon und wir werden in Zukunft die Techniker haben, die das können. Da die Checks permanent ablaufen, sehen wir die Möglichkeit, hier einen kontinuierlichen Auftragsbestand zu akquirieren und abzuwickeln.

Brehm: Weitere umfangreiche Infrastrukturprojekte, über die wir bereits mit großen Energieversorgen sprechen, stehen bei der Elektromobilität und in Sachen Smart City an. Ein Beispiel sind Straßenlaternen, die so ausgerüstet sind, dass sie als Ladestation für Elektrofahrzeuge dienen, aber gleichzeitig Umweltverschmutzung messen, Verkehrssituationen beurteilen, freien Parkraum erfassen, als Notrufstation oder als WLAN-Spot dienen. Die Netze geben das heute nicht her, sie müssen entsprechend ausgebaut werden. Auch Privathaushalte werden zunehmend Ladestationen benötigen. Als LPR Energy werden wir sicherlich nicht die Straße aufbuddeln, wir sehen uns bei der E-Mobilität eher als Koordinator und Gesamtprojektleiter. Denkbar ist auch, die Wartung und Reparatur von Ladestationen zu übernehmen.

Würde man das alles als Vision formulieren – wie würde sie in Kurzform lauten?

Brehm: Unsere Stärke aus der Historie der LPR ist, dass wir groß dimensionierte Aufträge zuverlässig managen. Das haben wir vielen handwerklich geprägten Mitbewerbern voraus. Auf dieser Basis wollen wir ein Dienstleister sein, der in ganz Deutschland Netzbetreiber und Stadtwerke mit infrastrukturellen Dienstleistungen versorgt. Dafür werden wir ein bundesweit flächendeckendes Techniker-Netz unterhalten – so dass wir in jeder Region präsent sind. Die Mitarbeiter müssen sicherlich auch mobil sein, sollen ihre Leistungen aber weitgehend vor Ort in ihrem Umfeld erbringen.

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